Interview mit BLOOD
Für dieses Interview macht jrockradio.com mal wieder einen Ausflug in die Industrial-Szene Japans. Kiwamu von BLOOD hat uns die Chance gegeben, einige Fragen zu aktuellen Themen und Projekten der Band zu stellen. Hier könnt ihr nun das Interview lesen.
noi (von jrockradio.com): Wir freuen uns sehr, dass sich BLOOD für dieses Interview Zeit nimmt. Vielen Dank.
Kiwamu (Bandleader/Gitarrist): Jederzeit!
noi: BLOOD feiert gerade den 6. Geburtstag. Von Anfang an habt ihr für eure internationalen Fans gespielt und bereits ein Jahr nach der Gründung besuchte die Band in Amerika. Ihr wart eine der ersten japanischen Bands in Europa und habt schon oft in Ländern gespielt, in denen bis dahin nur sehr wenig japanische Bands auf der Bühne standen. Woher nehmt ihr den Mut immer wieder euer Glück in neuen Ländern zu versuchen?
Kiwamu: Wenn es nur Glück ist, wären wir bei den Touren bereits im Bankrott geendet. Aber wir hatten schon 50-mal Liveshows in 11 Ländern und wir bekamen 5 Jahre lang positive Reaktionen. Deshalb denke ich auch, viele Fans akzeptieren unsere Bandqualität. Für den US-Markt arbeiten wir sehr hart mit Agenten zusammen.
noi: Ich habe das Gefühl, dass die japanische Industrial-Szene offener und mutiger im internationalen Geschehen ist als andere japanische Musikrichtungen. Sie besuchen oft in Eigenregie ihre Fans auch in neuen Ländern und es scheint, es gibt eine sehr offene Gemeinschaft mit den Fans. Kannst du zustimmen? Was glaubst du, ist der Grund dafür?
Kiwamu: Ich denke die ausländische Industrial-Szene ist offen für andere Länder, aber die japanische Szene ist nicht offen für ausländische Bands. Ich betreibe mein Label Darkest Labyrinth für ausländische Bands. Einige ausländische Künstler missverstehen den japanischen Markt. Sie denken „Japan ist ein einfaches Land, alle Bands können ganz leicht Erfolg haben“, aber das ist falsch, denn die japanische Industrial-Szene ist sehr viel kleiner als in anderen Ländern. Durch die Vertriebsarbeit meines Labels kenn ich die Wahrheit über die japanische Industrial-Szene.
noi: November letzten Jahres war BLOOD in Mexiko. Was habt ihr da erlebt? Kannst du ein paar eurer Eindrücke schildern?
Kiwamu: Es war die 5. Mexiko-Tour für BLOOD. Mexiko ist wie Heimatboden für uns. Eindrücke vom 5. Mal? Bei dieser Tour hatten wir Tonprobleme, aber die Leute waren ganz gemütlich Wir waren darüber sehr dankbar.
noi: Jetzt war ihr eben erst in den USA. Ihr seid ja auch recht oft in Amerika. Vielleicht könnt ihr uns ja auch ein bisschen was über eure Erfahrungen dort berichten.
Kiwamu: US Fans waren die ersten internationalen Fans, die uns 2002 gefunden haben. Darum sind die USA für BLOOD ein besonderes Land. Natürlich gibt es auf diesen Touren eine Menge Ärger, aber in letzter Zeit arbeiten wir mit Agent Roger. Ich kann ihm glauben, dass so kleine Probleme keine Probleme für uns sind. Es gibt dort Leute, denen wir vertrauen können, das ist wichtiger als Geld, stimmt's?
noi: Warum zieht es euch immer wieder in die Staaten? Was gefällt euch dort so sehr?
Kiwamu: Die Leute, denen wir vertrauen können!
noi: Auf eurer Tour in Amerika wart ihr mit DJ Sisen unterwegs und ihr habt auch schon in der Vergangenheit mit anderen Künstlern für Projekte zusammengearbeitet. Arbeitet ihr gern mit anderen Künstlern? Bevorzugt ihr jemanden?
Kiwamu: Ich möchte nur mit Künstlern arbeiten, die ich liebe. Zum Beispiel wollen viele Bands mit BLOOD in die USA kommen, aber Ich möchte keine Bands mitbringen, die ich nicht mag. Es gibt so viele stereotypische Musik in der japanischen Szene. Wenn ich dies Art von Bands zu den US-Fans bringen würde, wäre das ein Akt des Verrates für sie.
noi: Wie wichtig sind eigentlich Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung?
Kiwamu: Ich habe viele Angebote von ausländischen Künstlern bekommen. „Bitte buch uns in Japan“ „bitte buch uns in Japan“ „bitte buch uns in Japan“, aber sie arbeiten in ihren Ländern nicht für uns. Sie bekämen nur die Hilfe von mir. Natürlich arbeite ich nicht mit dieser Art von Leuten. Zum Beispiel habe ich eine GPKISM-show in Tokio gebucht und GPKISM die Tour in Australien. Ich möchte nur mit Leuten zusammenarbeiten, die ihr Bestes für die Arbeiten tun.
noi: Gibt es laufenden oder kommende Projekte, die ihr mit anderen Künstlern in Angriff nehmt, über die ihr uns erzählen könnt?
Kiwamu: Ich bespreche mit einigen Künstlern die neuen Projekte. Ich hoffe, alles geht gut. Wenn wir alles geklärt haben, werde ich euch das natürlich berichten.
noi: Eines der jüngsten Projekte, das du gestartet hast, ist GPKISM. Es läuft seit letztem Sommer, richtig? Wie kam es zu der Idee und was steckt hinter dem Projekt?
Kiwamu: Ich bin letzten Sommer beigetreten. Ich habe bereits 6 Jahre für BLOOD gearbeitet, deshalb wollte ich von irgendetwas neue interessante Aufgaben bekommen. Ich habe kein Interesse an meinem Soloprojekt. Also habe ich entschieden, GPK’s Talent für neue Fans zu zeigen. Dafür werde ich ihn von meiner Seite unterstützen.
noi: Erklärst du uns die Zusammensetzung des Namens?
Kiwamu: Oh, ich dachte zuerst, sehr eigenartiger Name. Aber es war seine Wahl. Sein Name GPK und sein Projektname ist GPK’s ism. Darum ist es GPKISM.
noi: Im Sommer werden BLOOD und GPKISM ja nach Australien touren. Von einem Besucher unserer Webseite habe ich erfahren, dass Eve of Destiny vor ein paar Jahren in Australien war. Von mehr Bands weiß ich nicht. Auf jeden Fall gehören BLOOD erneut zu den ersten japanischen Musikern, die ihre Fans in Australien besuchen.
Wie seid ihr auf Australien gekommen?
Kiwamu: Ich habe die Chance bekommen, dahin zu gehen, also haben wir die Tour gebuch. Australien wird das 12. Land für BLOOD sein.
noi: Habt ihr irgendwelche Erwartungen im Bezug auf Australien und eure Auftritte?
War einer von euch vielleicht sogar schon einmal in Australien?
Kiwamu: Für uns alle ist es das erste Mal Australien. Aber wir waren bereits in so vielen Ländern, dass ich nicht zu euch sagen kann „Wow, wir sind wirklich aufgeregt.“ Wir werden dahin gehen und unser Bestes geben. Nur das.
noi: Die Frage drängt sich auf, was hälst du von der Musik, die Eve of Destiny gemacht hat?
Kiwamu: Als ich mich der Astan-Magazin-Kompilation anschloss habe, gab es dort ihren Song. Aber ich kenne keine Details. Meiner Meinung nach mag ich die melodischen Gothic-Songs, die ich spiele, aber ich denke ihr Sound ist cool.
noi: Es ist faszinierend, wenn man BLOODs Werke und Fotos aus den Anfangszeiten mit den heutigen vergleicht. Die Band hat sich sehr verändert. Ursprünglich war BLOOD eine Visual Kei Band, wobei schon damals klare Unterschiede zur Einstellung anderer Vertreter deutlich wurden. Heute sprecht ihr euch klar gegen den typischen Visual Kei aus. Wann und warum kam für euch die Wende und was wolltet ihr anders machen?
Kiwamu: Du weißt, japanischer Visual Kei ist jetzt eine recht langweilige Szene. Es gab viele großartige Bands, die wir liebten - X Japan, Luna Sea, Kuroyume usw. Aber nach ihnen gab es keine guten Bands, denke ich. Ich haben 5 Jahre in der Visual Kei Szene gearbeitet and wir haben gemerkt „Wir hören seit langer Zeit keine Visual Kei mehr! weil die neuen Bands sehr langweilig sind!“ Darum haben wir entschieden unseren Style zu suchen. Industrial and Gothic waren das Beste für uns.
noi: Ihr seid keine Fans der Visual Kei Szene seid, gibt oder gab es dennoch Bands, die euch beeindrucken, die ihr mögt, eventuell auch ab und zu hört und die euch vielleicht sogar auf eurem Weg beeinflusst und geprägt haben?
Kiwamu: Die Namen der Bands, die ich mag, habe ich beantwortet, aber in unserer Musik findet man keinen Einfluss von ihnen, stimmt's?
noi: Was für mich wirklich sehr beeindruckend ist, ist dass ihr wirklich alles allein macht. Kiwamu, du bist nicht nur Bandleader, sondern übernimmst eigentlich alles, was Management, Promotion und Produktion von BLOOD angeht und bist gleichzeitig auch noch Chef von Darkest Labyrinth. Vielleicht könntest du uns einen Einblick geben, was du eigentlich alles leistet. Was fällt alles in euren Aufgabenbereich?
Kiwamu: Zum Beispiel Fuki wird einiges schreiben und mit mir über das Arragement nachdenken. Und er wird die CDs mixen. Das sind andere Arbeiten von BLOOD. Ich mache alle anderen Sachen, die er nicht tut. Es gibt kein bestimmten Bereich für meine Arbeit. Ich schreibe Songs, spiele Gitarre, Programmierung, Design, betreibe die Webseite, Management, Promotion and die Führung des Lables.
noi: Sicher gibt es immer schlechte und gute Erfahrungen, aber gibt es Sachen, die du wirklich nicht gern machst?
Kiwamu: Ja natürlich sind da viele gute und schlechte Aufgaben. Dank der Band machte ich viel gute Bekanntschaften mit tollen Leuten. Es gab aber zum Beispiel viele schlechte Erfahrungen in Frankreich wegen der dämlichen Organisatoren. In Mexiko hatten wir schlechte Organisatoren, aber die Fans haben uns geholfen als wir Schwirigkeiten hatten.
noi: Hast du je darüber nachgedacht, jemanden für bestimmte Sachen zu arrangieren?
Kiwamu: Ich kann meine Arbeit selbst erledigen, darum denke ich nicht über sowas nach.
noi: Habt ihr Streetteams, die euch unterstützen?
Kiwamu: Als wir die Tour in den USA machten, hatte Roger ein Streetteam. Also hat BLOOD kein Streetteam aufgestellt.
noi: Bei eurer letzten Tour in Europa gab es einige Probleme und ihr musste viel Geplantes abgesagen. Kiwamu, du wolltest nach dieser Tour Europa erst einmal für eine Zeit meiden. Das ist jetzt eine Weile her und du kannst jetzt mit etwas Abstand darauf zurück blicken. Glaubst du, dass
bald wieder nach Europa zurückkehren wird und vielleicht auch Länder, in denen es überhaupt nicht geklappt hat, erneut in Angriff zu nehmen?
Kiwamu: Ich bin es tatsächlich leid Europäische Touren zu buchen. Langsame Länder. Faule Länder. Es scheint verschwendete Zeit zu sein. Durch meine Erfahrungen mag ich russische, italienische und französische Organisatoren nicht!/p>
noi: Eure nächstes Album ist angekündigt. Kannst du es ein wenig vorstellen?
Kiwamu: "THE REAPER BEHIND ME" [2CD], ein Fullalbum, welches das neue Symphony of Chaos Konzept, das 2007 began, begleitet, wird jetzt seinen Autritt haben. Als das erste Album seit unserem musikalischen Übergang zum Gothic/Industrial-Style wird es als 2-Platten-Set mit CD 1 als Album und CD 2 mit Remix von ausländischen Clubs, erscheinen. Als Gastsängerin beteiligt sich Exo-Chika von Aural Vampir bei einer Neuaufnahme des Songs "BLOOD" aus unserer ersten Periode und die österreichische Sängerin Emily Rose bei "FOUNTAIN OF BLOOD".
Das Coverbild wurde in Los Angels geschossen und zeigt Model Jade Starr.
Die Remix wurden von BLOODs Labelpartnern Virgins O.R. Pigeons (Griechenland), GPK (Australien) und Spectrum-X (Italien) sowie den lablefremden Künslern BLUE BIRDS REFUSE TO FLY (Griechenland), The Last Dance (USA), In-Tranzit (Australien), siva six (Griechenland) und den japanischen Künstlern Anny-K (Camino), calmand qual und DJ dora begesteuert.
>noi: Vielleicht gewährst du uns noch einen kleinen Blick in die Zukunft von BLOOD und GPKISM. Wie geht’s weiter, worauf können wir uns noch freuen?
Kiwamu: Meine Arbeit ist nicht für BLOOD und GPKISM. Ich werde auch für Spectrum-X und Virgins O.R. Pigeons. Ich werde einfach mein bestes dafür machen.
noi: Habst du noch ein paar abschließende Worte, vielleicht eine Nachricht an eure Fans und die Besucher von jrockradio.com?
Kiwamu: Ich hoffe, ihr geniest meine Werke.
noi: Ich möchte mich im Namen von jrockradio.com ganz herzlich bei dir bedanken. Wir freuen uns schon auf das, was wir in Zukunft noch von euch hören werden.
Autor: noi